Abend am Fluss

Eine mehrtägige Kajakwanderung mit meinem Sohn brachte dieses Lied hervor. In die letzte, später hinzu gekommene Strophe sind allerdings jüngere Ereignisse und Erlebnisse eingeflossen, für die das Element Wasser ein gutes Bild abgibt: Alles fließt.

Liedtext

Die letzte Träne treibt den Fluss hinunter,
befreit ein kleines Lächeln im Gesicht.
Ein Feuer knistert flackernd rot und munter.
Vergessen schon das letzte Tageslicht.
Die Bäume breiten fingernd ihre kleinen Dächer aus,
bereit zu mancher kecken Teufelei.
Das Blatt im Wasser schwimmt schon mal den nächsten Tag voraus,
der Mond schickt einen Elfenstrahl vorbei.

Ein unbenutzter Traum liegt bei den Booten
und wartet, dass ein Schläfer ihn sich holt.
Mit Nebel tarnen sich die Götterboten,
die kleinen Recken hab’n sich längst getrollt.
Die Spinnen breiten ihre Netze über Zeit und Raum,
stets hoffend auf die Ahnungslosigkeit.
Das Stirb und Werde hüllt sich neben mir in weichen Flaum
und Grillen zirpen eine Möglichkeit.

Die Hoffnung, diese ewig Nimmersatte,
träumt säuselnd unterm Schilf von Tatendrang.
Ein leises Fließen hüllt uns hier in Watte
und um uns sirrt der Nymphen Lobgesang.
Kaum hörbar schnarrt der Entenmann sein kleines Lied zur Nacht
all denen, die er gerne mal betört.
Gedankenfetzen stolpern und verweilen ungedacht
und niemand hier, der meine Kreise stört.

Die Ewigkeit schmiegt sich in jede Ritze,
erzählt mir, dass auch sie vergänglich ist.
Die Zeit malt eine unverstand’ne Skizze,
die sich im Morgentau langsam vergisst.
Ein Ende grüßt den Anfang in Schwerelosigkeit,
Abschied ist doch nur ein Augenblick.
Die Träne treibt im Wasser und verliert sich in der Zeit –
und kommt dereinst als Tautropfen zurück.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2009/℗2014