Aida

Diesem Text liegt ein authentisches Gespräch mit Aida, einer jungen Iranerin, zugrunde. Sie war in den 1990er-Jahren Teilnehmerin eines meiner EDV-Kurse. Ihr Vater saß als Gegner der Islamischen Revolution in irgendeinem Gefängnis im Iran des Ayatollah Khomeni. Niemand wusste, ob er überhaupt noch lebt. Die Mutter floh mit ihr nach Deutschland, da auch sie auf schwarzen Listen stand. Die Konsequenz für Aida, die hier nicht heimisch werden konnte, hieß: Anpassung ist besser als Widerstand. Sie wollte zurück in den Iran.

An meinem Geburtstag 2017 brachte mir mein Sohn meine alte CD »Zeitzeuge« mit. Ich habe sie mir durchgehört und beschlossen, das Stück mit neuem Arrangement und leicht überarbeitetem Text wiederaufzulegen.

Liedtext

Im Reiche der schwarzen Gewänder,
wo der Prophet wiederaufersteht,
ist Aidas Vater verschollen,
und kein Mensch weiß, wie‘s um ihn steht.
Ihre Mutter ist mit ihr geflohen.
Sie war da noch ziemlich klein.
Und nun sitzt sie hier in der Freiheit,
in der Freiheit, alleine zu sein.

Aida lebt hier mit ihrer Mutter
und das goldene Vlies ist weit.
Sie vermisst hier all ihre Freunde
aus dem Dorf ihrer Kinderzeit.
Ihr braunes Haar trägt sie offen,
ich rieche auch ihr Parfüm.
Sie schaut jedem Mann in die Augen.
Und sie hasst jede Art von Regime.

Aida ginge ganz gern in die Disco.
Doch ist niemand, der mit ihr geht.
Und sie würde hier gern etwas lernen.
Doch kein Angebot wird konkret.
Deshalb will sie zurück in die Heimat.
Und sie hofft, man lässt sie wieder rein.
Dann trägt sie halt einfach das Kopftuch
und läuft ihrem Mann hinterdrein.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©1996/℗2017