Darf ich’s wagen?

Es gibt sie, diese Beinahe-Liebeslieder, geschrieben für ich weiß nicht wen. Wenn man auf Partnersuche ist und sich dann vorstellt, wie das wohl sein könnte beim ersten Treffen und sich dabei noch ein wenig (Galgen-)Humor bewahrt, dann kommt sowas dabei raus. Die Konzertgitarre habe ich für dieses Stück präpariert, indem ich Hartschaumstoff mit einem Stück ganz weichem Fensterleder umwickelt und das Ganze am Steg unter die Saiten geklemmt habe. Das ist wesentlich entspannter als das gesamte Stück mit Muting-Technik zu spielen. Und auf der Bühne ist es eine kleine Show-Einlage.

Liedtext

Darf ich’s wagen, »Du« zu sagen,
vielleicht auch erst zum Dessert?
Liebe geht ja durch den Magen,
dann fällt’s nicht mehr ganz so schwer.
Vielleicht sollte ich erzählen,
dass dein Bild an einer Wand
einer meiner grauen Zellen
einen schönen Rahmen fand.

Darf ich’s wagen, dir zu singen,
wo manch einer dran erstickt.
Denn ich will dir’s rüber bringen,
dass in mir was für dich tickt.
Und ich will dir etwas schenken,
was es nur zu schenken gibt,
wenn man aufhört, klar zu denken.
Na ja, eben, weil man liebt.

Darf ich’s wagen, »Du« zu sagen?
Ich hab‘ auch ein Lied für dich.
Wie ein Ritter sozusagen
üb‘ ich mich ganz minniglich.
Darf ich’s wagen, einfach wieder
wie ein junger Hengst zu sein.
Schließlich handeln Liebeslieder
ja schon immer nur vom Frei’n.

Darf ich’s wagen, dir zu sagen:
Ich hab‘ da ein Lied für dich,
’s ist nicht zu dick aufgetragen,
fast schon eher liederlich.
Darf ich’s wagen, »Du« zu sagen?
Darf ich auch ein bisschen mehr?
Wie viel mehr möcht‘ ich nicht sagen,
zu viel‘ Leute hör’n grad her.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2007/℗2009/2016