Du bist schon längst gegangen

Trotz aller Emanzipation, trotz aller Gender-Diskussionen macht man als Mann im Laufe des Lebens immer wieder die Erfahrung, dass Frauen nicht selten auf Chauvinisten fliegen, auf Insignien von Wohlstand, Macht und (scheinbarer) Stärke. Gehört man selbst nicht zu diesem Typus Mann, hat man gelegentlich ein Problem und versteht die Welt nicht mehr so ganz. Das sind dann die Momente, die einzigen, in denen man sich wünscht, auch mal so ein »Playboy« zu sein, so einer, der sich nicht immer anstrengen muss.

Ursprünglich sollte der nebenstehende Text ein Abendlied werden. Die Idee dazu kam mir beim Anblick zur Nacht hin aufgestapelter und angeketteter Stühle vor einem meiner Lieblingscafés in einem ehemaligen Wohnort. Aber, wie so oft, der Text hatte etwas anderes mit mir vor.

Liedtext

Die Stühle sind gestapelt, die Schirme eingepackt.
Ein letzter Gast, der brabbelt. Er ist hier voll versackt.
Du bist schon längst gegangen, dem Sommer hier entfloh’n.
Ich hab’s falsch angefangen. Was hab’ ich jetzt davon?

Bin dir ins Netz gegangen, der Weg war asphaltiert.
All deine Saiten klangen, doch ich hab‘ nichts kapiert.
Da hingen Paragraphen und Regeln über mir.
Sag’ keiner was zu Schafen. Das ist ein braves Tier.

Jetzt kann ich nicht mehr schlafen, die Ruhe ist dahin.
Ich mach’ mich hier zum Affen und dich zur Pförtnerin
zu allem, was mir teuer in meinem Pantheon.
Das ist mir nicht geheuer, denn du weißt nichts davon.

Ja, so ein Fegefeuer, das da nun brennt in mir,
verpasstes Abenteuer ersäuft man mit viel Bier.
Dann ist mir alles schnuppe, ich bin ja nicht allein:
Die Selbsterfahrungsgruppe hilft mir, ein Mann zu sein.

Verflucht sei alle Ehre, der Anstand obendrein.
Wenn ich ein Playboy wäre, wär’s leicht, ein Kerl zu sein.
Ich hätt’ an jedem Finger, an jeder Zeh’ dazu
ein’s dieser hübschen Dinger ohn’ Aber und Tabu.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2006/℗2017