Es war schon Nachmittag

Diese Erzählung ist zwei Menschen gewidmet, die das Glück hatten, sich im fortgeschrittenen Alter über eine Partner-Plattform kennen und lieben zu lernen. Heute machen die zwei ganz tolle Projekte zusammen. Ich kenne sie gut, diese beiden. Es sind Sylvia Catarina Nickus, meine Frau, und ich.

Liedtext

Es war schon Nachmittag, als sie sich trafen,
obwohl es eigentlich noch Morgen war.
Das kleine Städtchen wirkte noch verschlafen.
Es war nicht kalt, obwohl noch früh im Jahr.

Geschäfte öffneten langsam die Türen,
die Tassen dampften müde vorm Bistro.
Sie wollten sich in einem Traum verlieren,
Ihr Puls schlug im Fortissimo.

Das Kopfsteinpflaster in den alten Gassen
glänzte für sie in seinem schönsten Grau.
Die Zeit hat sich viel Zeit für sie gelassen.
Und nur der Himmel war nicht himmelblau.
Dafür das Rosarot in ihren Mägen, das weiche Gelb in ihren Knien …

Sie war mit ihrem Leben nicht zufrieden,
auch er schien irgendwie nicht ganz komplett,
drum hatte jeder für sich dann entschieden:
Es lebt sich doch viel besser im Duett.

Sie hatten sich zuvor schon viel geschrieben,
Gedichte und was man sich halt so schreibt,
wenn man die Hoffnung hat, zu lieben
Und hofft, dass ganz am Schluss was übrig bleibt.

Zu viel war beiden schon zerronnen,
wie Sand, der einem durch die Finger rinnt,
zu vieles hatte schon begonnen,
wie auch die Eintagsfliege ja beginnt.
Nur einmal noch etwas zu wagen und beten, dass es nun gelingt …

Sie waren schon gemeinsam Mittagessen,
und die Cafés war’n ihnen schon vertraut.
Sie hatten sich noch unterdessen
auch alle Schaufenster schon angeschaut.

Sie schlenderten durch diese alten Mauern,
fotografierten aus Verlegenheit
und spürten überall die Frage lauern,
die sich halt stellt trotz aller Sittsamkeit.

Mag sein, die Vorsehung hat eingegriffen
und flüstert‘ ihnen dieses: „Mensch, greif zu!“
Sie hab‘n sich in den Arm gekniffen –
so spätes Glück war fast wie ein Tabu.
Doch schließlich haben sie’s begriffen:
Ich bin die Baukis, Philemon bist Du.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2014