Du alte Welt

Hinter diesem Text steht die Frage, ob es tatsächlich nur ein Segen ist, dass die Menschen mehrheitlich aufgeklärter sind als früher, dass wir rationaler agieren. Der große Nachteil dieser Entwicklung besteht in meinen Augen darin, dass wir uns noch leichter selbst überschätzen wie in der großen Zeit der Mechanik, wo man alles mit Hebeln und Umsetzungen zu lösen und zu erklären können glaubte. Mit dieser Selbstüberschätzung geht ein Verlust an Achtung vor der anderen Seite unseres Seins einher – mit der emotionalen, der spirituellen, der künstlerischen Seite, die unverzichtbare Elemente unseres Daseins darstellen.

Die Lektüre einer ganzen Reihe von Abhandlungen und Büchern zum Thema Neurobiologie bestätigt mich in all dem. Eines der Bücher ist betitelt mit »Intuition«. Das ist dann glaube ich selbsterklärend.

Liedtext

Der Himmel hat geschlossen,
weil sich das Unternehmen nicht rentiert.
Der Herrgott hat beschlossen,
dass er sein Kerngeschäft privatisiert.
Die Engel werd‘n entlassen.
Wer braucht ihr Licht in dieser Neonwelt?
Auch der Teufel kann nicht fassen,
dass man ihn für entbehrlich hält.

Die gold‘nen Kälber tanzen,
denn sie sind noch das letzte, das uns bleibt.
Wir leben nach Bilanzen,
nach Rhythmen, die die Börse für uns schreibt.
Mit blinden Seelen suchen
wir das verlor‘ne Abenteuerland
und freu‘n mit leisem Fluchen
uns auf den nächsten Harry-Potter-Band.

Du, alte Welt,
in meiner Seele lebst du weiter.
Deine Geister und Gespensterreiter.
deine Trolle und die Feen
haben mich wohl auserseh‘n
als den Hort zum Überleben. –
Ich will euch Raum und Nahrung geben.
Bei mir ist Platz für dich, du, alte Welt.

Die Nebel sind gefallen,
verschollen ist das alte Avalon
mit seinen Ruhmeshallen.
Auch Merlin machte sich auf und davon.
Er schüttelte im Gehen
sein weißes Haupt noch bis zuletzt. –
Er konnte nicht verstehen,
dass ihn mal ein Computerspiel ersetzt.

Du alte Welt …

Die Räume sind gemietet
für jenes große Epos uns‘rer Zeit.
Die Ringe sind geschmiedet,
Popcorn und Cola stehen schon bereit.
Wir lassen uns entführen
für ein paar Stunden, völlig ohne Scham.
Jenseits der Kinotüren
ist das jedoch schon wieder Kinderkram.

Du alte Welt …

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2005/℗2018