Katalunya

Auf einer Pyrenäen-Rundreise haben wir die Katalanen selbst erlebt. Unseren eigenen Zorn im Bauch, erzeugt von vielen politischen Entscheidungen in Berlin und Brüssel, die dem Einzelnen mehr und mehr die Selbstbestimmung rauben – den haben wir schnell zu teilen gelernt mit diesem Volk, das einfach nur selbstbestimmt leben will. Meine Sympathie haben sie alle – die Katalanen, die Basken, die Bretonen … Und der Text, der dann entstanden ist, ist auch in anderer Hinsicht aktueller denn je. Leider.

Nachbemerkung:
Es ist heutzutage leider nötig, eine klärende Nachbemerkung anzufügen. Ich möchte nicht, dass dieses Lied von Nationalkonservativen vereinnahmt wird. Denn meine Kritik richtet sich nicht grundsätzlich gegen Europa. Sie richtet sich ganz explizit gegen ein Europa des Geldes. Seine Gesetze sind es, die den Menschen ihre Autonomie rauben. Nicht mehr und nicht weniger.

Liedtext

Ich hol‘ nochmal Holz aus der Scheuer –
der Wind pfeift wieder so kalt –
und ich setze mich näher ans Feuer.
Ich glaub‘ wirklich, ich werd‘ langsam alt.
Doch je älter ich werde, je mehr wird der frühe Zorn wieder erweckt,
denn man hat in den Jahren den Kaiser nur in neue Kleider gesteckt.

Was hat man nicht alles versprochen:
Vergesellschaftung, nie wieder Krieg.
Doch die Geldgier ist ungebrochen
und feiert heut‘ Siege um Sieg:
Man handelt mit Schulden der Armen, man bescheißt und gefällt sich darin,
man bricht Menschen wie Steine aus Felsen und suhlt sich in seinem Gewinn.

Man besticht und lässt sich bestechen,
man kennt sich und tut sich nicht weh.
Man bestraft andrer Leute Verbrechen
und speist selbst mit dem Herren Bankier.
Man bespitzelt das Volk und man schweigt – aus datenschutzrechtlichem Grund.
Oh, Hades, mach’s Maul auf und zieh‘ diese Brut einfach in deinen Schlund.

Man verhandelt zum Wohl von uns allen
im verschlossenen Paradies.
Dann lässt man Posaunen erschallen
und verspricht uns das goldene Vlies.
Doch am Ende bleibt dreckiges Wasser und verseuchtes Getreide zurück.
So werden die uralten Pfade zu Straßen mit Friedhofsblick.

Ich geh‘ nochmal in den Garten,
dort bin ich noch mein eigener Herr.
Die Revolution muss noch warten –
denn es läuft grad »Wer wird Millionär?«.
So geh‘ ich halt eigene Wege, mach’s wie jener in Köpenick.
Vorwärts ist nicht immer nach vorne. Und rückwärts nicht immer zurück.

Ich kenn‘ einen Ort in den Bergen, und der Alte dort oben im Nest
kämpft listig gegen die Schergen dieser ganzen New-Economy-Pest.
Bis jetzt ist ihm stets noch gelungen. Er hat das Gesindel versprengt.
Und, ihr Götter, ich hoffe, ihr habt ihm dafür das ewige Leben geschenkt.

Und sie tanzen die Tänze der Ahnen, tanzen mit leuchtendem Blick,
hissen die gelb-roten Fahnen – rückwärts ist nicht immer zurück.

Und sie spielen die Lieder im Zorn, spielen mit trotzigem Blick.
Vorwärts ist nicht immer nach vorne und rückwärts nicht immer zurück.

Ich kenn‘ einen Ort in den Bergen …

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2014