Editorial: Kröten schlucken

Mit dem heutigen Tag geht meine neue Homepage online. Damit geht eine Woche intensiver Datenfüll-, Grafik-, Video-Aktualisierungs-, PlugIn-Such-, Korrektur-, Sortier- und Einstellungsarbeit zu Ende. Ich weiß jetzt gar nicht, was ich heute Abend tun soll. 😉

Die Idee, die Homepage neu zu gestalten, rumort allerdings schon seit ein paar Wochen in mir, denn da war dieser Stichtag: 25. Mai 2018, die neue Datenschutzgrundverordnung tritt in Kraft. Um eine inhaltlich richtige Datenschutzerklärung abzufassen, muss man inzwischen sehr genau wissen, was man alles online stellt, wo Drittanbieter ins Spiel kommen usw. Das bedeutete, das gesamte Konstrukt zu durchforsten.

Ich bin den Brüsselern fast dankbar für das neue Gesetzeswerk (aber nur fast), denn ohne diesen Anlass hätte ich mir gegenwärtig kaum so viele Gedanken um Struktur und Konzeption gemacht.

Diese Gedanken haben, zusammen mit anderen Anstößen, dazu geführt, dass ich vom Selbststricken auf WordPress als Grundlage umgestiegen bin. Die Arbeit mit einem Content-Management-System (CMS) zwingt einen zur strukturierten Darstellung der Inhalte. Es ist nicht mehr so einfach, manchmal sogar unmöglich, mal da oder dort eben noch was anzuflicken, was man bis dahin vergessen hat. Man muss sich daher gut überlegen, was man wie und in welcher Tiefe darstellen will. So ein CMS ist, wenn die Struktur einmal steht, nicht nur wesentlich bequemer. Es bietet auch wunderbare Vernetzungsmöglichkeiten, die ebenfalls ohne großen Aufwand installierbar, teilweise bereits in den Voreinstellungen enthalten sind.

Das Thema Datenschutz ist ein Wesentliches. Und es ist mit der DSGVO nicht getan – im Gegenteil: Ein Rechtsexperte erklärte mir, dass ein wirklicher Datenschutz damit keineswegs installiert wird. Die Lobbyisten in Brüssel hätten sich durchgesetzt. Für einen kleinen Webseitenbetreiber, wie ich es bin, ist es ein Spagat. Einerseits möchte man seinen Besuchern so viel Sicherheit bieten, wie nur möglich. Andererseits kann man beispielsweise auf die Vernetzungsmöglichkeiten nicht mehr verzichten, will man nicht untergehen. Und so stellt die neue Webseite einen Kompromiss dar. Auf manches verzichte ich, obwohl es sicher gut wäre, es einzubauen. Manches ist eingebaut, was dem Besucher eine gewisse Datentoleranz abverlangt. Denn wir sind schon längst an diesem Punkt angekommen: Wer konsequent keine Daten preisgeben will, der muss auf Vieles im Internet verzichten, teilweise sogar auf handfeste Information.

So bleibt mir zu hoffen, dass die inhaltliche Qualität und die Transparenz meiner Online-Präsenz meine BesucherInnen für die Kröten entschädigt, die wir heute alle zu schlucken haben. Eines jedenfalls ist sicher: Wer einmal bei amazon einkauft, hat mehr von sich verraten, als ich je über sie oder ihn wissen werde.

In diesem Sinne – viel Freude beim Rumgucken und Rumhören!