Stille Nacht

Ein Text aus dem Jahr 2004, inspiriert durch einen schneereichen Winter auf der Schwäbischen Alb, zunächst in eher fröhlichem Folk vertont. 2013 kam dann der Refrain dazu, zusammen mit der Neuvertonung, die man hier hören kann. Eines meiner Weihnachtslieder.

Liedtext

Im Schaufenster liegt Kunstschnee und wir merken: Es wird Winter.
Und überall sieht man es steh’n – das Kind aller Kinder.
Als Puttenengel dargestellt, mit barocker Rundung,
so liegt es wohlgenährt im Stroh zu unserer Gesundung.
An Fenstern wuchern Sterne und das Rentier zieht den Schlitten.
Eisblumen hängen in der Stadt, aus Folie ausgeschnitten.
Stille Nacht, stille Nacht, still,
weil’s Kindlein schlafen will.

Die Kinder basteln Engel aus Watte und aus Goldpapier.
Und irgendwie wird’s enger, kein Platz mehr zwischen dort und hier.
Terminkalender sind ganz prall von weihnachtlicher Fülle –
ich mach‘ ’ne rote Schleife drum zum Zeichen der Idylle.
Geschäfte haben länger auf, locken mit Engelszungen
und einem roten Weihnachtsmann, aus Disneyland entsprungen.
Stille Nacht, stille Nacht, still,
weil’s Kindlein schlafen will.

Die Kirche liegt verlassen zwischen Propolis und Wintertee,
der Pfarrer kämpft um Quoten – er predigt in der ARD.
Der Chor probt schon seit Wochen das Weihnachtsoratorium
und hofft für seine Aufführung auf andächtiges Publikum.
Wir eilen von Besinnung zu Besinnungslosigkeit,
fahr’n ohne Bremsen in’n Advent mit Höchstgeschwindigkeit.
Stille Nacht, stille Nacht, still,
weil’s Kindlein schlafen will.

Schnee schippen früh am Morgen, der Atem friert im Bart zu Eis.
Im Schneesturm Brot besorgen, der Kaffee dampft schon schwarz und heiß.
Zaunpfähle tragen Mützen. Ganz kleine weiße Tränen
weint eine stolze Steinfigur, speit Eis in langen Strähnen.
So holt sich die Natur zurück, was einmal Kitsch gewesen.
Ich geb‘ dem Feuer noch ein Stück und setz‘ mich hin zum Lesen.
Stille Nacht, stille Nacht, still,
weil’s Kindlein schlafen will.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2004/℗2013