Europa im Wandel: Als es noch Jugoslawien gab

Ein historisches Reisetagebuch – Lesung mit Fotopräsentation und Musik

Was machen achtundvierzig eng von Hand geschriebene DIN A4-Seiten mit Reisenotizen einer recht abenteuerlichen Jugoslawien-Rundfahrt im Jahre 1986 in unserer kurzatmigen Zeit heute noch interessant?

Der wichtigste zu nennende Umstand bezieht sich wohl auf die politischen Veränderungen, die dieses ehemals einheitliche Staatsgebilde erfahren hat. Meine Jugoslawienreise fand zu einer Zeit statt, da Marschall Tito sechs Jahre zuvor verstorben war und das Fehlen seiner eisernen Hand zum Erstarken aller möglicher Strömungen führte. Zum einen erwachte das Bestreben nach Demokratie, zum anderen brach sich der großserbische Traum erneut Bahn. Und schließlich war da die alte Garde der Parteigänger. Wie explosiv dieser Schmelztiegel tatsächlich war, konnten wir in den 1990er-Jahren verfolgen.

Dass im Verlauf dieser Ereignisse entscheidende Fehler durch die EU-Europäer begangen wurden, soll nicht verschwiegen werden, ist jedoch nicht das zentrale Thema dieses Reisebuches. Seine Inhalte entstanden zu einer Zeit, da all diese Wirren gerade erst begannen. (Die ganz frühen Anfänge durfte ich als Gast einer Belgrader Musikerfamilie miterleben.) Zu spüren waren sie immer wieder: Nächtliche Ausgangssperren sind für einen Kulturschaffenden der Horror schlechthin. Die irrwitzige Inflation in jener Zeit ohne Plastikgeld hat mich zwei Mal in arge Bedrängnis gebracht. Und schon knapp jenseits des Grenzverlaufs zwischen Serbien und Kroatien war es eminent wichtig, auf der jeweils richtigen Seite vode oder voda (Wasser) zu verlangen. Man weigerte sich plötzlich, die jeweils andere Sprache zu verstehen.

Dieses Reisebuch ist mithin ein Stück jüngerer Vergangenheit, also in bescheidenem Maße historisch. Vieles von dem, was in ihm beschrieben steht, findet man heute so nicht mehr vor. Es sind mithin sozusagen europäische Erinnerungen. Aber auch europäische Gegenwart, denn obwohl die Nachfolgestaaten der ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien geografisch inmitten Europas liegen, ist ihr politischer Status bis heute teilweise ungeklärt. Das allein scheint mir Grund genug, es zu veröffentlichen.

 

Organisatorische Informationen

Dauer: ca. 60 Minuten (zzgl. Gelegenheit zum Gespräch).

Veranstaltungstechnik: Ton- und Bildtechnik (HD-Beamer/Leinwand) bis 40 Teilnehmer kann gestellt werden. Für ein größeres Auditorium bitten wir um Bereitstellung einer entsprechend ausgelegten Technik. Mikrofone werden auf jeden Fall von uns gestellt.

GEMA/VG WORT: Es kommen nur eigene Werke des Musikers/Texters zur Aufführung. KT Brandstetter ist nicht Mitglied der GEMA.

Honorar/Merchandising: 200 EUR; ab 200 Kilometer Entfernung plus Übernachtung (gerne auch in einer Jugendherberge). Wir bitten um die Erlaubnis für den Aufbau eines kleinen Merchandising-Tisches.