Tage wie Cellophan

Ein für meine Verhältnisse kurzer Text, dafür viel Musik. Seit 2012 arbeite ich an der Idee, die Erlebnisse von Weihnachten 2001 in ein Lied zu gießen. Nun ist es fertig.

Es war der erste Weihnachtstag als mich der erste alarmierende Anruf meiner Mutter erreichte. Am zweiten Weihnachtstag desselben Jahres riefen mich Nachbarn meiner Mutter an. Damit begann ihre Alterspsychose, die nahtlos in eine Demenz überging, und eine Jahre lange Leidensgeschichte – die nicht nur die ihre war. Vergessenes, massive zeitliche und räumliche Desorientierung, Verfolgungsängste, Misstrauen, Feindseligkeit – die ganze Palette. Bis sich – nach Jahren – endlich ein Arzt fand, der den Mut hatte zu sagen, was zu sagen war.

Das Lied versucht in Mosaikstücken das Erleben aus der Perspektive der Demenz zu schildern. Den Refrain allerdings könnte man auch ganz anders verstehen – und das ist durchaus gewollt

Liedtext

Es dämmert schon, die Nacht war lang.
Die Müdigkeit liegt schwarz um ihre Augen.
Die Kirche läutet Grabgesang.
Sie fühlt nur dunkle Mächte an sich saugen.

Wer hat die vielen Zettel hier beschrieben?
Wer sind die „andern“, die hier tatenlos rumsteh’n?.
Was wird denn nur in diesem Haus getrieben?
Wie kann man diesem Irrsinn nur entgeh’n?

Es fällt so schwer, noch klar zu sehen.
die ganze Welt verfällt dem Wahn.
Es gilt, sie heil zu überstehen,
diese Tage wie in Cellophan.

Sie schiebt Schnipsel in ein Briefkouvert
und sucht es sicher zu verstecken,
denn sie weiß, dass sicher irgendwer
versuchen wird, Geheimes aufzudecken.

Wer hat ihr nur den Schlüssel weggenommen?
Die Medizin? Für wen? Das reinste Dynamit!
Was hat ihr Sohn denn wohl dafür bekommen,
dass er sie dieser Mafia verriet?

Ihr Mann ist nie gestorben,
er ist nur einfach nicht mehr da.

Es fällt so schwer, noch klar zu sehen.
die ganze Welt verfällt dem Wahn.
Es gilt, sie heil zu überstehen,
diese Tage wie in Cellophan.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2016