Vielleicht wohnen hier die Götter

Dieses Lied ist unter dem Eindruck einer Pyrenäenreise, noch in den Pyrenäen selbst, entstanden. Wir reisten der Nase nach, mit nur wenigen festen Zielen und zumeist auf »weißen« Straßen. Dadurch haben wir die Stille und Erhabenheit einer Landschaft erfahren, die zu den letzten ursprünglichen Europas gehört. Noch …

Liedtext

Wie ein Faden zieht die Straße durch die Berge hoch zum Wind,
bis am Pass der Asphalt endet und der Schmugglerweg beginnt.
Wohl die meisten sind am Ziel, dreh’n hier oben wieder um.
Wir fahr’n weiter in die Mitte dieser Berge Heiligtum.
Weite Täler, tiefe Schluchten, freie Pferde, sattes Grün,
wie Lametta, diese Bäche, die von Gipfeln talwärts zieh’n.
Totes Holz zeigt uns Gesichter, schon gegerbt vor langer Zeit.
Und die Frage nach den Jahren verliert ihre Gültigkeit.

Diese Stolperpiste abwärts führt uns über Stock und Stein
und wir sind in dieser Stille einfach nur für uns allein.
Kein Geplärre aus Lautsprechern – dieses tönende Geschmier.
Nur die Grillen hört man zirpen. Genau deshalb sind wir hier.
Innehalten, wo das Wasser diesen Abweg überspült,
wo man früh’r mit Gold und Tieren, heut‘ wohl auch mit Waffen dealt.
Keiner will das wirklich wissen und zu schweigen wird bezahlt.
Harte Münze macht nun einmal auch vorm Paradies nicht Halt.

Dann das Dorf mit den drei Morden. Die Geschichte kennen wir.
Große Schwüre, längst gebrochen. Stärker waren Neid und Gier.
Heut‘ noch drei bewohnte Häuser, alles andere morbid.
Und die Berge, ruhig und weise, flüstern uns ihr altes Lied.
Kühl fällt es von ihren Höhen und beschließt den heißen Tag.
Es erinnert an den alten, längst vergessenen Vertrag:
Nimm dem Berg nur, was du brauchst, was du wirklich nötig hast,
(denn) wenn er zornig wird, dann schüttelt er dich von sich, wie Ballast.

Wie ein Faden zieht die Straße durch die Berge hoch zum Wind,
bis am Pass der Asphalt endet und der Schmugglerweg beginnt.
Wohl die meisten sind am Ziel, dreh’n hier oben wieder um.
Wir fahr’n weiter in die Mitte, mitten ins Refugium.
Vielleicht wohnen hier die Götter. Vielleicht stimmt das alte Wort.
Vielleicht ist auf diesen Gipfeln auch ihr letzter Zufluchtsort.
In den Tälern hat die Menschheit schon die Schandfeuer entfacht
und betet zu Gott Mammon vor ihrer letzten Schlacht.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2014/℗2014