Wes sollt ich klagen

Bescheidenheit, manche nennen es auch Demut, äußert sich für mich darin, dass man weiß, wann man genug hat. Das einzige, wovon man nie genug haben kann, ist Denkvermögen, Kritikfähigkeit, Mut und Wissen. Darin bin ich unbescheiden.

Liedtext

Ich hab‘, was ein Mann braucht: ein Herz und ein Hirn,
Kraft, um das Leben zu meistern,
ausreichend Geschick, manchen Streich noch zu führ’n,
das Glück, dann und wann zu begeistern,
hab‘ hier und dort mal was zu sagen –
also, wes sollt ich klagen?

Ich hab‘, was ein Mann braucht, und außerdem,
den Wagen mit Pferd, ihn zu ziehen,
ein Dach überm Kopf aus Balken und Lehm
und nichts davon ist geliehen,
hab‘ was zu beißen und zu nagen –
also, wes sollt ich klagen?

Ich hab‘, was ein Mann braucht: ein Herz und ein Hirn,
ein Maul, um es laut aufzumachen,
den Mut, Obrigkeiten zu bieten die Stirn,
und auch mal Streit zu entfachen
und ihnen auf den Wams zu schlagen –
also, wes sollt ich klagen?

Ich hab‘, was ein Mann braucht: ein bisschen Verstand
und Worte genug, ihn zu fassen.
Im seidenen Tuch, im Spöttergewand
wird er auf das Volk losgelassen.
Es gibt noch viel gescheite Fragen –
Also, wes sollt ich klagen?

Ich hab‘, was ein Mann braucht: das Wissen darum,
dass wir nur glauben, zu wissen,
sprech‘ meine Gebete in Demut und stumm
und lass‘ sie in Bächen verfließen.
Ich werd‘ von dieser Flur getragen –
also, wes sollt ich klagen?

Ich hab‘, was ein Mann braucht: den wackeren Sohn,
der wird mal mein Erbe verwalten.
Er gibt mir am Ende die Absolution,
wenn meine Glieder erkalten.
Und ich hab mein heilig Weib zu tragen –
also, wes sollt ich klagen?

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2014