Zero

Der Titel dieser Komposition ist inspiriert durch die 1957 gegründete gleichnamige Düsseldorfer Künstlergruppe, die nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs eine hoffnungsvolle und idealistische Lebensauffassung etablieren wollten. Zero bedeutete für die Mitglieder eine Phase des Schweigens und der Stille am Übergang eines vorgefundenen Zustandes in einen unbekannten neuen.

In diesem Geist ist dieser Text geschrieben, der von der Phase »Zero« zwischen zwei Tagen berichtet, von der Nacht, diesen wenigen Stunden, in denen das zermürbende menschliche Getriebe innehalten muss. Wenigstens jeweils auf dem halben Globus.
Und hier enden auch schon die Gemeinsamkeiten zur Künstlergruppe, denn ihr (im philosophischen Sinne) Idealismus widerspricht in meinen Augen der nun einmal handfesten historischen Erfahrung. In meinem Text wird das durch die Bridge manifest.
Wer mehr über Zero erfahren will, sei auf Wikipedia verwiesen.

Liedtext

Es ist dunkel im Dorf, die Häuser steh’n vage
gegen den Lichtsmog am Horizont.
Der Bannwald ruht schwarz, wie eine Frage.
Nur der Rauch überm Dach zeigt: Das Haus ist bewohnt.

Der Himmel ist klar. Heut‘ Nacht wird es frieren.
Die Spinnen sind längst in die Keller gefloh’n.
Nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren –
die Stunden der Stille sind für mich Religion.

Die Welt ist nun echt, die Fernseher dunkel,
kein blaues Flimmern täuscht Wirklichkeit vor.
Ich sehe am Himmel das Lichtergefunkel
und habe der Lichtjahre Rauschen im Ohr.
Die Menschen sind friedlich nur, wenn sie schlafen,
die Menschen sind friedlich, wenn sie denn ruh’n.

Es ist dunkel im Dorf. Und in mir gerinnen
Ahnung zu Wort und Lärmen zu Klang.
Das endlose Spiel kann aufs Neue beginnen,
weil Worte zu klein sind und ohne Belang.

Der Irrtum ruht nun für ein paar Stunden,
Verkleidungen hängen verwaist an der Tür.
Der Wille, zu siegen, lässt sich überrunden
und niemand steht vor einem andern Spalier.

Die Welt ist nun echt. Die Götter sind müde
und liegen in warme Decken gehüllt.
Am nächtlichen Fluss lausche ich der Etüde
der Zeit, die beharrlich die Wurzeln umspült.
Die Menschen sind friedlich nur, wenn sie schlafen,
die Menschen sind friedlich, wenn sie denn ruh’n.

Die Welt ist nun echt, die Fernseher dunkel,
kein blaues Flimmern täuscht Wirklichkeit vor.
Ich sehe am Himmel das Lichtergefunkel
und habe der Lichtjahre Rauschen im Ohr.
Die Menschen sind friedlich nur, wenn sie schlafen,
die Menschen sind friedlich, wenn sie denn ruh’n.

Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2017