Singen mit alten Menschen

»Gell, Du kommsch abr wiadr?!«

Diese Aufforderung und Bitte – schriftdeutsch: »Nicht wahr, Du kommst aber wieder?!« – wurde mir von einem Mann in der Tagespflege entgegengebracht, als ich ankündigte, dass ich wegen bevorstehender Feiertage nun erst in drei Wochen (statt in zweien) wieder käme.

Gleich, ob dement oder nicht – der Mensch singt. Melodien sind häufig noch das Letzte, was in Erinnerung bleibt. Wundern muss einen das nicht – und eigentlich braucht man auch keine hochwissenschaftlichen Studien für diese Erkenntnis. Denn der Mensch kann Töne hervorbringen noch bevor er sprechen gelernt hat. Das ist auch folgerichtig, weil es ohne Ton nun mal keine Sprache geben kann.

Musik wurzelt in unserem tiefsten Inneren, ist sowohl mit dem Verstand als auch mit unserer emotionalen Seite verbunden. Wohl deshalb bleibt sie jedem von uns genau solange erhalten, wie wir noch zu Äußerungen und Empfindungen fähig sind.

Singen mit Kindern und Singen mit alten Menschen haben aus wissenschaftlicher, aber auch aus meiner ganz persönlichen Sicht einen besonders hohen Stellenwert. Dieser Einschätzung folgend, biete ich Singstunden mit alten Menschen an. Das Repertoire umfasst hauptsächlich traditionelle Volkslieder, bekannte und unbekanntere, zu denen ich, wenn es die Zuhörerschaft erlaubt, häufig noch ein paar Worte bezüglich ihrer Entstehungs- und/oder Rezeptionsgeschichte erzähle. Beispielsweise erlebe ich immer wieder großes Staunen, wenn ich berichte, warum das Bänkellied Bänkellied heißt. Ab und an fließt – teilweise auch gewünscht – das eine oder andere bekannte Lied deutscher Liedermacher mit ein. Und meist zu besonderen Anlässen singe ich auch mal eine meiner Kompositionen.

Es hat sich bewährt, solche Singkreise, die in einem zwanglosen Rahmen ablaufen und nichts mit Einstudieren zu tun haben, in einem vierzehntägigen Rhythmus anzubieten. Inzwischen bin ich mit diesem Angebot sowohl in der Tagespflege als auch im stationären Bereich vertreten.

Übrigens spreche ich bewusst nicht von »Senioren«, sondern von »alten Menschen«. Alt werden ist ein natürlicher Prozess, dem wir alle unterworfen sind. Man muss ihn nicht zwanghaft umschreiben.

Bei Interesse bitte ich Sie um …

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Fotos: ASB-Tagespflege Amorbach. Mit herzlichem Dank für die Freigabe.